43°22,0 N / 08°23,6 W

SPANIEN – La Coruna

03. AUGUST 2007

 

Liebe Freunde der flow-Crew,

 

nach unserer neuen Zeitrechnung- der flow-Zeitrechnung – sind wir nun seit 70 Tagen unterwegs. Am 25. Juli haben wir die französische Insel Ile d´Quessant am Ausgang des Englischen Kanals erreicht und befinden uns nun im Atlantik. Sie ist ca. 20 km vom französischen Festland entfernt, Brest liegt ganz in der Nähe. Diese Fotos haben wir bei unserem Spaziergang an der Westküste fotografiert. Es herrschten zu diesem Zeitpunkt sieben Windstärken.

 

Image

 

Image

 

 

Von hier aus wollen wir die Biskaya überqueren, deshalb warten wir in einer wunderschönen Ankerbucht auf günstiges Wetter. Nach 3 bis 4 Tagen werden wir dann in La Coruna an der spanischen Nordwestküste sein.

 

Image

 

Und siehe da, nach 4 Tagen warten auf der Ile d´Quessant, wurde Nordostwind für die Biskaya angekündigt. Da hat uns auch kein diesiges Wetter und Regen abgeschreckt, von unserer sicheren Boje, abzulegen. Nachdem wir die nur 1,4 km breite und 4 km lange Fahrwasserstrasse zwischen Ile d`Quessant und Ile d`Bannec passiert hatten, setzen wir für unsere große Überfahrt die Segel. Es war so diesig, dass man die Felsen rechts und links nicht erkennen konnte.

 

In drei Tagen und drei Nächten sind wir über die Biskaya gesegelt, hatten auf diesem Schlag den Wind mit uns, mal ganz wenig und dann wieder einen Tick zuviel (dann bauen sich die langen Atlantikwellen bisweilen bis zu drei Metern auf – dies ist aber auf Fotos schwer darstellbar).

 

Image

 

In dieser Zeit haben wir drei große Wale zuerst pusten gehört und dann gesehen (nicht mal 100 m vom Boot entfernt!!!) Zuerst tauchte der Kopf auf, dann ganz lange Zeit Wal ,dann die klitzkleine Rückenflosse und dann wieder ganz viel Wal, bis alles weg war.

Es war beeindruckend, dass Marcus bei jedem bisschen Wassergurgeln am Schiffsrumpf gleich Wale sah.... Ein Grüppchen Delfine begleitete uns sogar 1 Stunden lang. Diese tummelten sich vor unserem Bug, unter und neben unserer flow.

 

Image

 

So sind wir, auch dank unserer hervorragenden Wind-Selbsteuerung, glücklich in Spanien angekommen ... und auf einmal ist Sommer ... tschüss Mütze, Handschuh, Ölzeug ...

 

 

Rückblick:

Seit dem 17. Mai 2007 sind wir ca. 1.500 Seemeilen gesegelt. Wir durchquerten die Ost- und Nordsee, das IJsselmeer und den Englischen Kanal. Sechs Gastlandflaggen haben wir schon gesetzt: Dänemark, Schweden, Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien.

 

Es ist schon ein merkwürdiger „Alltag“, (fast) jeden Tag an einem anderen Ort zu sein. Nur Einiges ist schon Routine, sehr Vieles täglich neu und aufregend. Seit der niederländischen Nordseeküste gibt es Segler, die wir immer wieder treffen. Manche warteten dann wie wir in einer Art Wartegemeinschaft auf besseres Wetter für die nächste Etappe. So hangelt man sich von Hafen zu Hafen oder Bucht zu Bucht. Ab und zu genießen wir noch den Luxus eines Hafens mit Dusche und sogar Waschmaschine. An unserem 60. Reisetag waren wir sogar „richtig“ essen: Fish & Chips auf der Kanalinsel Alderney (die wunderschön ist). Meistens aber liegen wir in herrlichen Ankerbuchten und paddeln mit dem Schlauchboot an Land, um auf Exkursion zu gehen.

 

Uns und unserem Schiff geht es also richtig gut, wir genießen das Unterwegssein in vollen Zügen. Nur, dass es immer so frisch ist, meist sind wir mit Mütze und Ölzeug (oft sogar mit Handschuhen) unterwegs, also nix mit Segeln im Bikini...

 

Image

 

 

Wir finden Orte mit himmlischem Frieden, an denen wir tief und fest schlafen, obwohl wir vor Anker liegen und Häfen, die zwar sicher, jedoch laut sind.

 

Image

 

 

Seit dem IJsselmeer haben wir den Wind und die Wellen gegen uns. Das sind 4 Wochen West-Südwestwind. Und seit dem Englischen Kanal haben wir mit Strömung zu tun, die durch den starken Tidenhub von fast 8 Meter, an Kaps bis zu 7 kn stark sein kann. Meist konnten wir die Strömung für uns gewinnen und waren dadurch schneller am Ziel. Unsere Angelversuche blieben bisher ohne Erfolg, daher stand noch kein frischer Fisch auf unserer Speisekarte. An Bord der flow fühlen wir uns sehr wohl. Unser Wohn-, Arbeits-, Ess- und Schlafzimmer ist sehr gemütlich, so dass wir uns nach Landgang immer wieder freuen, an Bord zu sein.

PS: Die Wohnfläche beträgt ca. 3 m² und zusätzliche 3m² können wir nutzen, wenn wir die Köpfe einziehen. Manchmal liegt unser Schiff ziemlich schräg und dann treibt die Schwerkraft in den Wellen ihre Spielchen und man bewegt sich merkwürdig träge.


Einmal hatten wir das Glück, dass ein Delfin unser Schiff sehr mochte und gute 10 Minuten um uns herum schwamm und sprang. Als wir am Bug standen, konnten wir ihm in die großen runden Delfinaugen schauen. Die Fotoserie, die dabei entstand, ist wirklich aufregend.

 

Image

 

 

Image

 

In Zeebrugge trafen wir zwei ältere Leipziger Segler, die sich über Annes “Nu“ freuten und auf der Ile d´Brehat einen Canadier, der über Europa und uns alles in nur 5 Minuten wissen wollte (ohne Rücksicht auf unser noch holpriges Englisch).

 

Inzwischen haben wir zwei UNESCO-Weltkulturerbe-Städte besucht – Brugge in Belgien und Le Havre in Frankreich – und immer musste ich an die peinliche Situation von Dresden denken und daran, wie gut einer Stadt dieser Titel doch steht. Er scheint eine mehrfache sehr positive Anziehungskraft zu haben.

 

P.S. Es gäbe so viel mehr zu erzählen! Davon auszuwählen, fällt so schwer. Wahrscheinlich hat es deshalb so lange gedauert, bis wir uns endlich mal gemeldet haben. Bitte habt dafür Verständnis, ja?

 

Beste Grüße von See an alle von Marcus & Anne

 


Wer Lust und Zeit hat, kann hier gern mehr lesen von unserer Reisevorbereitung bis zum Start und unsere genaue Reiseroute.

 

Bevor wir ablegen konnten, mussten noch viele Vorbereitungen getroffen werden. So haben wir ab Ende März auf, unterm und im Schiff gearbeitet. Als erstes wurde der Unterwasseranstrich erneuert und der Mast vorbereitet, damit die flow ins Wasser und der Mast gestellt werden konnte.

 

Image

 

Im Wasser wurde der Schiffsmotor nochmals auseinander- und wieder zusammengebaut, ein Amateurfunkgerät wurde eingebaut, eine Petroleumheizung gegen Frostbeulen an Bord ist in der Backskiste unter größten Anstrengungen montiert (das Ganze hat 4 Tage gedauert, wobei es nur einen in Anspruch nehmen sollte) und viele unzählige kleine Dinge erledigt. Was uns große Kopfschmerzen bereitete, war die Unterbringung der 4 Autoladungen Ausrüstungsgegenstände sowie privater Sachen (Bücher, Seekarten, Ersatzteile, Kleidung, Verpflegung, Werkzeug...).

 

Man muß sich vorstellen, dass die flow für mehrere Jahre unser zu Hause sein wird (Wohnungen/Zimmer haben wir nicht mehr; in Berlin und Dresden sind nun Kisten mit Dingen, die wir auf dem Schiff nicht brauchen.) Die Anne hat bei der Verstauung wirkliche Pionierarbeit geleistet, denn es ist fast alles in Tüten, Kisten, Ecken, Bilgen untergekommen. Die überflüssigen Sachen – diese Entscheidung haben wir uns bis 1 Tag vor der Abreise aufgehoben – wurden von ihren Eltern, die extra nochmals aus Dresden nach Ueckermünde zum Tschüß-Sagen gekommen waren, mitgenommen.

 

 

Start und Reisedaten:

 

Da wir wohl doch brave deutsche Bürger sind und Termine unbedingt einhalten, legten wir nur 1 Tag später ab - zusammen mit der Sturmvogel-Crew. Diese beiden – Chrissie und Ralf – waren bei den gesamten Reisevorbereitungen eng bei uns. Deshalb hat es uns besonders gefreut, dass sie uns auf den ersten Etappen begleitet haben. Für Wetter und Reiseplanung war Ralf zuständig, denn wir waren so mit uns und der flow – unserem neuen zu Hause – beschäftigt, dass es eine große Hilfe war. So haben wir uns auch immer zurückgehalten und Ralf bei jeder Hafeneinfahrt den Vortritt gelassen – nein die vollgepackte flow war nur langsamer als Ralf´s Sturmvogel.

 

Image

 

 

OSTSEE

17. Mai 2007 Ueckermünde - Kröslin

18. Mai 2007 Kröslin - Sassnitz

19. Mai 2007 Sassnitz – Klintholm (Mön/DÄNEMARK)

20. Mai Klintholm – Ankerplatz vor der Insel Mön

21. Mai Ankerplatz Insel Mön – Dragör

22. Mai Dragör – Kopenhagen

28. Mai Helsingör –Mölle (SCHWEDEN)

29. Mai Mölle – Insel Anholt (Dänemark)

bis 31. Mai Insel Anholt

1. Juni Insel Anholt – Bönnerup (Dänemark)

2. Juni Bönnerup – Hals (Limfjord)

3. Juni Hals – Gjöl

4. Juni Gjöl – Glygöre

5. Juni Glygöre – Thyborön

NORDSEE

7. Juni Thyborön – Hvide Sande

8. Juni Hvide Sande – Havneby / Insel Römö

10. Juni Insel Römö – List / Insel Sylt

12. Juni Insel Sylt – Insel Helgoland

17. bis 19. Juni Insel Helgoland – Den Oever (NIEDERLANDE)

IJSSELMEER

20. Juni Den Oever – Volendam (IJsselmeer)

21. Juni Voldendam – Amsterdam

30. Juni Amsterdam – Marken (IJsselmeer)

1. Juli Marken (IJsselmeer) – Nordzeekanal - IJmuiden

2. Juli IJmuiden – Scheveningen

3. bis 4. Juli Scheveningen – Zeebrugge (BELGIEN)

8. Juli Zeebrugge – Dunkerque (FRANKREICH)

ENGLISCHER KANAL

9. Juli Dunkerque – Boulogne sur Mer

10. Juli Boulogne sur Mer – Le Havre

12. bis 13. Juli Le Havre – Cherbourg

14. Juli Cherbourg – Insel Alderney (GROSSBRITANNIEN)

16. Juli Insel Alderney – Insel Guernsey

18. Juli Insel Guernsey – Insel Sark

19. Juli Insel Sark – Insel Jersey

21. Juli Insel Jersy – Ile de Brehat (Bretagne/FRANKREICH)

22. Juli Ile de Brehat – Perros Guirec

23. Juli Perros Guirec – Ile de Batz/Roscoff

ATLANTIK

24./25. Juli Ile de Batz/Roscoff – Ile d´Quessant